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Willkommen bei den Pilzen von  Rheinland-Pfalz

Im Wein-und Agrarland Rheinland-Pfalz hat man sich institutionell weniger um die Erforschung wildwachsender Großpilze verdient gemacht als vielmehr um die Entwicklung günstiger Hefekulturen  für den Weinausbau (z.B. im Institut für Mikrobiologie und Weinforschung der Johannes Gutenberg-Universität in  Mainz) und die Bekämpfung von Kleinpilzen in der Landwirtschaft durch Fungizide (z.B. BASF, Ludwigshafen). Für Feldmykologie gibt es weder einen universitären Lehrstuhlbereich, - das Reich der Pilze war  ohnehin nur als Teilbereich der Botanik relevant - und erst recht kein Privatinstitut. Amtliche Biotopkartierungen für Rheinland-Pfalz wurden in den Jahren 1986-1997 durchgeführt. Auch im 2015 neu eröffneten Nationalpark  Hunsrück-Hochwald wird die Makrofunga behördlich erhoben. Die Landesforstanstalten vergeben gelegentlich Kartierungsaufträge für festumrissene Bereiche, die erhobenen Daten sind lediglich behördlich verwertbar.

So bleibt denn die Großpilz-Kartierung heute in Rheinland-Pfalz ein mykologisches Forschungsfeld für ambitionierte Freizeitmykologen und für die wenigen vorhandenen Pilzvereine und –gruppen, die in der Lage sind, ihre Mitglieder für die keineswegs einfachen Kartierungsarbeiten auszubilden. Einen mehrere Hundert  Mitglieder zählenden Pilzverein wie in Baden Württemberg gibt es in Rheinland-Pfalz nicht, dafür aber einige Rheinland-Pfalz-„Anliegervereine“, die einen Teil  ihrer Exkursionen in Pfalz, Eifel und Hunsrück  durchführen.

Eine flächendeckende Erfassung von Großpilzen in Rheinland-Pfalz wurde zuletzt zur Erstellung von German Krieglsteiner‘s  dreibändigen Verbreitungsatlas der Großpilze Deutschlands (West) 1991 und  1993 vorgelegt unter Beteiligung damals namhafter Mykologen der DGfM e.V. wie Heinz Ebert, Jürgen Häffner, Helmut Waldner , Hans D. Zehfuß und, und, und.  Diese Daten sind mittlerweile mehr als 25 Jahre alt und konnten schon damals keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

Seither ist  für pilze-deutschland keine nennenswerte  Anzahl von Datensätzen dazugekommen, obwohl in Rheinland-Pfalz einige  wenige aktive Pilzgruppen und viele kompetente , solo oder in Kleingruppen arbeitende Feldmykologen projektbezogen oder regional Daten über vorhandene Großpilze sammeln.  Die Belegsammlung  der POLLICHIA (s.u.) ist gut gefüllt, derzeit wird an der Digitalisierung des mehr als 8000 Pilz-Belege enthaltenden POLL-Inventars gearbeitet, wie Dr. Volker John, zuständig für Pflege, Bearbeitung und Ausbau der Sammlungen im Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim,  berichtet. Seit 2014 baut die POLLICHIA  unter www.pilze-rlp.de eine Internetplattform auf, wo v.a. Großpilze portraitiert und aktuelle Fundmeldungen aus dem ArtenFinder-Portal www.artenfinder.rlp.de ausgewertet werden. Die Sammlung wird ständig erweitert durch Mitglieder  der POLLICHIA  mit Schwerpunkt Mykologie wie Rolf Altherr, Jörg Haedeke u.v.m. . Die pilzfloristische Kartierung der Mehlinger Heide durch Edda und Wolfgang Peltz wird darüber hinaus Eingang in pilze-deutschland finden.

In den Herbar- und Exsikkatsammlungen des  Pfalzmuseums für Naturkunde „POLLICHIA-Museum“ in  der Hermann-Schäfer-Str.17, 67098 Bad Dürkheim  www.pfalzmuseum.de haben nicht nur die POLLICHIA-Mitglieder ihre Belege  zur pfälzischen Tier- und Pflanzenwelt hinterlegt, sondern auch global arbeitende  Mykologen ihre Fungarien z.B. der Mykologe Jürgen Häffner, der die Großpilze, mit Schwerpunkt operculater Ascomyceten (insbesondere  Gattung Helvella ) nicht nur in unmittelbarer Umgebung seines Westerwälder Domizils in der Verbandsgemeinde Wissen,  erfasst.

Einer der ersten Kryptogamenforscher mit besonderem Interesse auf dem Gebiet der Pilze  in Rheinland-Pfalz war der angesehene Speyerer Domkapitular Bruno Würschmitt, Mitbegründer des heute wichtigsten RLP- Naturschutzvereins  POLLICHIA ( www.pollichia.de ) mit Schwerpunkt in der Pfalz, gegründet 1840 in Bad Dürkheim. In den Jahresmittelungen der POLLICHIA von 1844 listet er 674   Pilzarten im Vereinsgebiet. Der Namensgeber der POLLICHIA , Johann Adam Pollich, erwähnt 1777 nur ca. 50 Arten. Eine weitere wichtige Arbeit über die Pfälzer Pilzflora erschien 1944 mit Karl Bäßler‘s Arbeit: „Die Pilzflora der Pfälzer Kastanienwälder.“ Auch der Pfälzer Heinz Itzerott (1912-1983) soll mit seiner Erforschung von Pilzen, die auf Moosen parasitieren, erwähnt werden, obwohl seine Belege in der Botanischen Staatssammlung München liegen.

In die Publikationsorgane der POLLICHIA , den vierteljährlich erscheinenden POLLICHIA-Kurier und die POLLICHIA-(Jahres-)mitteilungen,  gehen auch in jüngerer Zeit Beiträge aus der Mykologie ein, wie z.B. die des leider 2011 verstorbenen, Hans-D. Zehfuß.  Im Jahresband 88/2001 der „Mitteilungen der POLLICHIA“ hat Hans-D. Zehfuß eine Geschichte der mykologischen Erforschung der Pfalz veröffentlicht:  Außer zeitlicher Abfolge seit 1485 und Kurzbiografien von länger in der Pfalz tätigen Pilzforschern, enthält der Band eine vollständige Bibliografie aller in und über die Pfalz erschienenen Pilzliteratur  (Tintling 35, Heft 2,2003, S.66 f). Rheinland-Pfalz-weit wichtigste Beiträge zur  Rheinland-Pfälzischen Pilzflora sind zweifellos die im Jahr 2000 erschienene von Hans D. Zehfuß u.a. erstellte Rote Liste  für Rheinland-Pfalz  mit über 2000 gefährdeten Arten und das POLLICHIA-Buch 43 (2001) von Hans D. Zehfuß und H. Ostrow: Pilze in naturnahen Wäldern der Pfalz (vergriffen) .

Einziger eingetragener allgemeiner Pilzverein in Rheinland-Pfalz ist die  Interessengemeinschaft Pilze und Natur e.V. (IPN), gegründet im Odenwald 1988. Er tagt im Naturkundemuseum   und  hat seit 2014 seinen Sitz in Bad Dürkheim . Von hier aus entfaltet er  sein umfangreiches Exkursions- und Bildungsprogramm , nachlesbar  unter  www.ipn-ev.de . Umfangreiche Kartierungsdaten liegen Peter Keth, Vorstand des IPN e.V. vor.

Der einzigen, in Rheinland-Pfalz erschienenen Pilzzeitschrift, dem Rheinland-Pfälzischen Pilzjournal, herausgegeben vom damaligen Leiter des Vereins für Pilzkunde Wissen im Westerwald, Jürgen Häffner, war nur eine kurze Publikationszeit  von 1991 bis 1996 beschieden. Die vollständigen Ausgaben dieser Zeitschrift können heute unter der Homepage  der APV (Arbeitsgemeinschaft für Pilzkunde Vulkaneifel) : www.ag-pilzkunde-vulkaneifel.de eingesehen werden, ebenso wie die zum 10-jährigen Bestehen des 1975 gegründeten Pilzvereins Wissen herausgegebene Festschrift von 1985. Der Verein wurde 1997 aufgelöst. Dafür steht aber Jürgen Häffner aus Mittelhoff, Westerwald, Adalbert-Ricken-Preisträger der DGfM e.V. von 1987 und Referent der DGfM e.V.  weiterhin für Pilzbestimmungen, besonders aus dem Bereich operculater Ascomyceten und im Speziellen für die Gattung Helvella zur Verfügung.

 Im nördlichen Rheinland-Pfalz, in der Vulkaneifel bei Gillenfeld, wurde am 1. Mai 1983 die Arbeitsgemeinschaft für Pilzkunde Vulkaneifel vom damaligen  Vorstandsmitglied des DGfM e.V. für Öffentlichkeitsarbeit und 2014 verstorbenen Heinz Ebert gegründet.  Regelmäßige Exkursionen, Kartierungsarbeiten verschiedenster Standorte in der und um die Vulkaneifel,  Pilzseminare und Ausbildungsarbeit  zum Pilzsachverständigen der DGfM e.V. gehörten und gehören (ausser PSV-Ausbildung )zum selbstgesteckten  Aufgabenbereich.  Die Pilzflora der Vulkaneifel  von  Heinz Ebert (1986)blieb unveröffentlicht, ebenso seine Kartierungen an Brandstellen.  Eine weitere unpublizierte Artenliste der Gesamteifel und angrenzender Gebiete stammt von Heinz  Ebert, Helmut G. Fuchs und Dr. Bernhard Oertel (1995). Mit 2300 Arten dürfte dies die umfangreichste Liste für Rheinland-Pfalz sein. Auch Auswertungen der Publikationen  aus dem Raum Trier (siehe Dendrocopos 20-26) von Egon Föhr sind  hier enthalten. Die  Daten können über die Homepage der APV eingesehen werden.  Mittelfristig sollen die danach hinzugekommenen  Funddaten allmählich in pilze-deutschland  von Klaus Roedder, Mitglied der APV, eingepflegt werden. Unter www.ag-pilzkunde-vulkaneifel.de ist ein Überblick über die derzeitigen Aktivitäten der APV möglich. Von Helmut Kolar (PSV der DGfM e.V.) werden Heinz Ebert’s traditionelle Gillenfelder Pilzseminare fortgeführt, er  bietet weitere im Koblenzer Raum an. Bernhard Oertel und Helmut G. Fuchs haben ihre pilzfloristischen Beobachtungen auf Magerrasen und Halbtrockenrasen im linksrheinischen Mittelgebirge in der ZMykol, Bd.67/2  (2001) kundgetan.

Seit 2002 existiert  zwischen Pfalz und Eifel, im Mittelrheintal die Fachgruppe Mykologie Bingen-Gaulsheim des NABU siehe www.nabu-rheinauen.de .  Arbeitsräume stehen im NABU-Naturschutzzentrum  Rheinauen, An den Rheinwiesen 5, 55411 Bingen-Gaulsheim zur Verfügung. Interessenten an den monatlichen Exkursionen  wenden sich an  Dr. Hagen Graebner, Tel. 06132 71292 oder h.graebner@aol.com. Die Exkursionsgebiete der Fachgruppe erstrecken sich über Mainzer Sand, Nahetal, beidseitige Mittelrheinhöhen, vom westlichen Taunus bis in den nördlichen und westlichen Hunsrück. Die Funddaten werden aufgelistet und sollen langfristig pilze-deutschland bereichern.

Speziellen Kartierungsschwerpunkt stellen die seit 2011 zweijährig organisierten Wiesenpilzbiotop-Tagungen, seit 2015 erweitert um die anliegenden Wälder, auf Schloss Dhaun dar. Interessierte Teilnehmer aus ganz Europa sind willkommen.

2014 hat Gerd Oelschlegel (PSV)   die Waldpilzfiliale Mayen, eine Pilzbildungs-,Schulungs – und Beratungsstelle der Deutschen Gesellschaft für Mykologie eröffnet. Hier liegt der Schwerpunkt auf Bildung und nicht auf Kartierung:  Siegfriedstr. 3, 56727 Mayen  Tel. 02651 78182, Mobil 0179 5124353, E-Mail pilzgerd@web.de .

Zu guter Letzt soll der seit Februar 2006 bestehende Ahrtrüffel e.V. Erwähnung finden, obwohl er sich lediglich der Erforschung, Erhaltung und Pflege der Plantage einer einzigen Gattung:  Tuber, dafür aber deutschlandweit,  widmet. Jedes Jahr im Herbst wird zum Trüffelsymposion auf Schloss Sinzig im Ahrtal geladen und neueste, nicht zuletzt auch kulinarische Entwicklungen auf diesem Gebiet diskutiert und verprobt. Tuber-Fundorte in Rheinland-Pfalz nehmen seither rasant zu.

In RLP exkursierende Nachbarn:

Aus Nordrhein-Westfalen verschlägt es immer wieder auch mit ausdrücklichem Kartierungsanspruch, zumindest in das nördliche Rheinland-Pfalz,  die Arbeitsgemeinschaft Pilzkunde Niederrhein (APN), siehe www.bender-biotop.de  ,da APN.

Von Westen her kommen die Pilzfreunde Saar-Pfalz e.V., seit 1996 mit Sitz in Bexbach, 1983 als Verein der Pilzfreunde Pirmasens e.V. gegründet, siehe www.pilzfreunde-saar-pfalz.de .

Auch die Hochwälder Kahlköpfe, eine kleine mykolgische  Arbeitsgruppe mit Sitz im nördlichen Saarland findet ihren Weg immer wiederauch nach Rheinland Pfalz, siehe Berichte unter www.mykolaus.de .

Die Arbeitsgruppe Pilze im naturwissenschaftlichen Verein des Naturkundemuseums Karlsruhe (PiNK) muss nur den Rhein überqueren, um in Rheinland-Pfalz auf Pilzsuche zu gehen, siehe www.pilze-karlsruhe.de .

Viele Mitglieder des Mykologischen Arbeitskreises Rhein-Neckar (MAK-RN) leben in Rheinland-Pfalz und so dass deren Aktionsradius sich über die gesamte Pfalz erstreckt, siehe www.mak-rn.de .

Dr. Wulfard Winterhoff wurde immer wieder bis in die nördliche Pfalz aktiv, in den Trockenrasen-Naturschutzgebieten des Nahetals , in den Silbergrasfluren bei Maxdorf/Pfalz ( Die Großpilze der Sandfluren im Naturdenkmal „Silbergrasflur Birkenheide“,1994).

Die in Rheinland-Pfalz für pilze-deutschland kartierten Funde werden von der Regionalkoordinatorin  Dagmar Gödert gepflegt.

Überraschende Erstfunde für  Rheinland- Pfalz wie zuletzt Urnula craterium von Dieter Lode aus der Pfalz (2015) gibt es immer wieder. Sie haben Registrierung verdient!